TAPE END a film by Ludwig Wüst

HOME | DIRECTOR'S STATEMENT (NO CUT!) | TRAILER | ALTERNATIVE ENDING | GALLERY | PRESS | CONTACT | News

Director's Statement (NO CUT!)

TAPE END arbeitet daran, den Regisseur überflüssig zu machen.  

Die Idee zu TAPE END entstand 2005 während der Proben zu meiner Theaterinszenierung
von Ingmar Bergmans „Efter Repetichonen“. Bergman wollte immer einen Film ohne Schnitt drehen,
hat diese Idee aber leider nie verwirklicht.
TAPE END ist die Rekonstruktion eines Laborversuches, Folge möglicher Ereignisse.
Der Film zeigt den Moment seiner Entstehung. Während des Drehs befanden sich nur die Darsteller im Raum.
Der Regisseur wurde durch den Darsteller des Regisseurs ersetzt, dieser bediente auch die Kamera.
Das Abfallprodukt dieser „Live“- Performance ist ein 60 Minuten realtime Videotape,
dessen Projektion im Kino dem Zuschauer von Beginn an jegliche Illusion nimmt.
In der ersten Sekunde des Films wird auf dessen Machart verwiesen, und damit das Hauptthema klargelegt:
Eitelkeit. Kein Film (kein Kunstwerk?) entsteht ohne diesen „Brennstoff“,
der es einem Filmemacher möglich macht, auch über Leichen zu gehen.
TAPE END reflektiert sowohl diese Eitelkeit als auch die nicht absehbaren Folgen,
Leben in Szene setzen zu wollen. Dem Leben eine Falle stellen und dann selbst feststecken.
Darin enthalten die Reflexion über und die Kritik am Größenwahn eines Filmemachers,
einer fragwürdigen Ordnung etwas abzutrotzen, ohne der Wucht des evozierten Chaos
auch nur annähernd etwas entgegensetzen zu können. Der Künstler ist Triebtäter,
seine Lebensangst und -verweigerung resultieren in der Notwendigkeit eines Gegenentwurfs.
Das kann auch eine Negativutopie sein.
Der erste Film der Filmgeschichte war ein Horrorfilm: Während der Aufführung
von „l’arrivée du train en gare“ flohen die Zuschauer aus dem Kinosaal.
Das Todesthema in TAPE END wird nur erzählerisch dargestellt und nicht gezeigt,
gleich dem Botenbericht im antiken Drama. Nachdem sich die Wirkung sowohl beim Protagonisten
als auch beim Zuschauer eingestellt hat, folgt die nächste Behauptung: eine weitere Lüge.
TAPE END ist ein einzige Lüge und demontiert sich in den letzten Sekunden selbst.
Die 60 Minuten ohne Schnitt sind seine einzige Wahrheit.
TAPE END ist ein Unterhaltungsfilm… Aufgebaut in 3 Akten (Drama/ Tragödie und Satyrspiel),
zitiert der Film den Medea-Mythos, erzählt von der Einsamkeit der Menschen
in den Bildern Edward Hoppers, von der Stille leerer Räume, vom Lärm der Außenwelt.